Brasilien 2013

Vom 27. Juni bis 27. Juli 2013 waren zwölf Schüler der Freien Waldorfschule Sorsum und drei Betreuer in Porto. Wir haben im Centro da Juventude Ziegelsteine hergestellt, auf der Plantage gearbeitet, getanzt, gespielt und Ausflüge unternommen. Mit Unterstützung des Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramms ENSA hatten wir uns intensiv auf die Reise und die Begegnung mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis eingestimmt. Trotzdem haben wir vieles gesehen und erlebt, was wir so niemals erwartet hätten.

Wir haben hier Ausschnitte aus unseren sehr persönlichen Erlebnisberichten zusammengestellt.

Leonard, Sharon, Aaron, Flavia, Jan, Leona, Finjo, Simon, Hannah, Leonie, Julie und Taischa auf der Hinreise in Rio

Ein Zwischenstopp mit Überraschungen

Nach einem elfstündigen Flug sind wir morgens um 4:30 Uhr zu einem Zwischenstopp in Rio gelandet. Die Weiterreise war erst für den Abend geplant, so dass wir etwas Zeit für einen kurzen Trip in die Stadt hatten. Nachts hatte es noch geregnet, dann wurde es recht schön. Wir wollten eigentlich auf den Corcovado mit der riesiegen Christusstatue, aber der war den ganzen Tag über in den Wolken und auch die Spitze des Zuckerhuts war nur selten zu sehen. Schade. Eigentlich.

Trotzdem haben wir unser Gepäck am Flughafen eingeschlossen und uns mit einem Kleinbus in die Stadt fahren lassen. Er brachte uns in den Stadtteil Urca zum Zuckerhut. Die 52 R$ pro Person für die Seilbahn zur Mittelstation des Zuckerhuts haben wir uns gespart. Wir sind lieber ein Stück zu Fuß um den Morro da Urca gelaufen und erlebten unsere erste Offenbarung: Ein sehr dichter Urwald direkt auf den steilen Felsen über dem schäumenden Meer, mit leuchtend bunten Papageien und kleinen Weißbüschel-Äffchen, die ganz dicht an uns herankamen. Wir waren begeistert. Welche Fülle neuartiger Pflanzen, welch üppige Vegetation mitten in einer Millionenstadt, und außer uns war fast niemand zu sehen! Damit hatten wir nicht gerechnet.

Anschließend brachte uns unser Fahrer an den Strand von Copacabana und ließ uns direkt an den Tischen eines kleinen Außenlokals aussteigen. Für wenig Geld bekamen wir eine Vielzahl unheimlich leckerer Kleinigkeiten, bei denen nur die Vegetarier nicht ganz auf ihre Kosten kamen, alle anderen jedoch begeistert waren.

Nach dem Essen mussten wir nur kurz über die Straße gehen und waren an einem superfeinen Sandstrand mit überraschend starken Wellen und Blick auf den Zuckerhut. Wir waren wieder begeistert. Einige Jugendliche sprangen freudestrahlend gleich ins Meer, andere gingen nur ein Stückchen hinein. Wir hatten das Meer ganz für uns allein. Die Brasilianer spazierten in dicken Jacken am Strand entlang und sahen unserem Treiben entgeistert zu. Wir waren schließlich genau eine Woche nach der Wintersonnenwende in Brasilien angekommen.

Zum Zuckerhut wollte dann niemand mehr. Der ganze Tag verlief völlig anders als von uns geplant, aber dieses wunderbare Land hatte uns das erste Mal gleich völlig verzaubert. Wir lernen langsam, uns auf die Unwägbarkeiten unseres Gastlandes einzulassen und freuen uns auf weitere Überraschungen.

Die Ankunft

von Hannah Bremeyer, 15 Jahre

Der Bus hielt vor einem Grundstück, das vorne von einer Mauer umgeben war. Wir stiegen aus dem klimatisierten Bus und eine Hitzewelle schlug uns ins Gesicht. Zehn Brasilianer standen vor dem Tor, ich kannte nur zwei von ihnen vom letzten Austausch. Obwohl ich die anderen noch nie zuvor gesehen hatte, nahmen sie mich freudig in die Arme und begrüßten mich! Diese unglaubliche Freude und Offenheit, mit der ich begrüßt wurde, habe ich in Deutschland so noch nie erlebt!

Wir gingen ins Haus und schauten in jedes Zimmer. Die Wände waren nicht bis zum Dach hochgezogen, so dass oben ein Belüftungsspalt war. Das Dach bestand nur aus Ziegeln, so dass viele kleine Löcher im Dach waren. Alles war so anders als in Deutschland! Immer mehr Brasilianer kamen zu uns ins Haus und ich entdeckte meine Gastschwester, die das Jahr zuvor bei mir gewohnt hatte und die ich jetzt seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Wir fielen uns in die Arme… ich war so glücklich sie wieder zu sehen… sie ist mir so ans Herz gewachsen! Sie kannte meine Welt und es wurde Zeit, dass ich ihre auch kennen lernte!

Bei unserem ersten Rundgang durch Porto habe ich so viele Eindrücke gesammelt. Die Straßen waren mit Schlaglöchern übersät, die Häuser, die teilweise nur Lehmhütten waren oder so aussahen, als würden sie beim nächsten Windstoß wegfliegen. Überall liefen Straßenhunde herum, die so abgemagert waren, dass man alle Rippen deutlich sah. Sie lagen auf der Straße, an deren Rändern sich Algen bildeten, weil sich dort das Abwasser sammelte.

Unser Haus

von Leona Holzki, 17 Jahre

Wir wohnten in einem kleinen Haus unweit von dem öffentlichen Platz, der „Praça“. Neben den zwei Duschen im Haus gab es noch eine unter freiem Himmel. Wir lebten mit zwei brasilianischen Jugendlichen dort, Marcelo und Neto. Marcelo war bereits zwei Mal in Deutschland und wir kennen uns sehr gut. Er ist nicht nur ein herzensguter Mensch, sondern auch ein ausgezeichneter Bäcker. Obwohl er unsere Sprache nicht spricht, hatten wir immer das Gefühl, dass er uns dennoch versteht. Neto ist einer der wenigen Jugendlichen dort, die Englisch sprechen. Er ist immer auf den Beinen und tat alles, damit es uns gut ging.

Die beiden sind nur wenige Jahre älter als ich und tragen inzwischen sehr viel Verantwortung für unsere Begegnungen und Fruticultura. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass sie und andere Jugendliche bei dem ersten Besuch aus Sorsum kaum wagten, vor der Gruppe zu sprechen. Wir können heute nicht nur reden, spielen, zusammen arbeiten und Pläne schmieden, wir können uns auch mal gegenseitig aufziehen - zum Beispiel mit unseren lustigen Fehlern und Betonungen auf der jeweils anderen Sprache.

Wissen ist Silber, Fühlen ist Gold

von Finjo Bremeyer, 17 Jahre

Es war sehr beeindruckend und lehrreich, einen Monat lang Einblick in eine ganz andere Gesellschaft, in eine andere Mentalität, in eine andere Politik, eine andere Lebensweise und einen anderen Lebensstandard zu bekommen. Eine Erfahrung, zu der man ganz selten die Gelegenheit hat, da man selbst wenn man sich einen Urlaub in dieser Umgebung leisten kann, nicht diese sozialen Kontakte hat und sich nicht in das „brasilianische Leben“ integrieren kann, um dieses zu leben. Natürlich haben wir ganz klar gemerkt, dass die Brasilianer alles getan haben, um uns ein möglichst gewohntes Leben bieten zu können. Doch das ist ihnen nicht wirklich gelungen und das ist auch gut so!

Als Deutscher hört man immer in den Nachrichten und in Dokumentationen, was unser heutiges Finanz- und Wirtschaftssystem in den Schwellen- und Entwicklungsländern für Folgen hat, aber es ist etwas völlig anderes, durch Rio de Janeiro zu fahren und in den Slums wirklich die pure Armut zu sehen. Wenn du dich mit solchen Themen beschäftigst, dann verändert es deine Sichtweise auf die Welt, aber wenn du wirklich dort hingehst und du fühlst, was dich umgibt, dann erfährst du die andere Seite der Medaille und das ist etwas ganz anderes als es nur zu wissen!

In Brasilien kamen bei mir ganz viele Themen hoch, mit denen ich mich auseinandersetzen musste. Ich war sehr viel krank und habe meistens nicht an den Gruppenaktivitäten teilgenommen, da ich körperlich und vor allem psychisch nicht dazu in der Lage war. In der Zeit bin ich manchmal weggegangen und habe mich irgendwo hingesetzt oder bin spazieren gegangen. Mich selbst in einer ganz anderen Welt zu erleben, war eine bewegende Erfahrung.


                                      

Unvorstellbar arm und unvorstellbar reich

von Leonie Lippmann, 18 Jahre

Mein Wunsch war es schon immer, Brasilien kennen zu lernen. Vor allem interessierten mich die Sprache und die Menschen, aber auch die Lebenseinstellung und die dortige Lebensqualität.

Ich stellte mir Brasilien bunt, laut, voller rhythmischer Musik, wunderschöner Frauen, Tänzen und einer wunderschönen unberührten Natur vor. Deswegen war mein Schock nach der Landung in Rio de Janeiro auch besonders groß, als wir mit einem kleinen Bus eine Stadtrundfahrt machten. Die Stadt war riesig und auf den Hügeln dieser Stadt standen überall Slums, die großen Straßen führten über sie oder direkt neben ihnen lang. Kinder liefen auf den Straßen und verkauften kleine Nusspackungen an die Autofahrer, welche im Stau standen. Ihr Job ist lebensgefährlich.

Es standen leer stehende Hallen neben großen aus Marmor gebauten Banken und neben mit Müll verdreckten Flüssen, in denen Menschen ihre Wäsche waschen müssen. Mir war klar, dass es dort Armut neben Reichtum gibt, aber es ist noch mal etwas ganz anderes, wenn man es wirklich sieht. Außerdem wird viel durch die Medien nicht nach außen getragen und schöner dargestellt, als es in Wirklichkeit ist.

Wie in einer großen Familie

von Simon Immanuel Ferenz, 16 Jahre

Es ist mein erster Flug nach Südamerika. Bevor ich losfahre stellen sich mir sehr viel Fragen: Was nehme ich mit? Was sind gute Gastgeschenke? Wie sind die Menschen da?

Nach wenigen Minuten in Brasilien sind diese Fragen wie weggeblasen und ich fühle mich, als wäre ich nach langer Reise zuhause angekommen. Ich werde, als ich aus dem Bus aussteige, herzlich in den Arm genommen. Eine Menge Brasilianer fallen mir lachend um den Hals und freuen sich, als wäre ich ein lang vermisstes Familienmitglied. Noch kenne ich sie alle gar nicht, aber schon nach ganz kurzer Zeit fühle ich mich in ihrer Mitte geborgen und anerkannt. Ich bin sehr gerührt, da ich so etwas aus Deutschland überhaupt nicht kenne. Ich war sehr erstaunt, dass ich wie ein Star in Porto angesehen werde. Viele kommen zu mir und wollen ein Foto mit mir machen oder mir die Hand reichen.

Alle zusammen spielen wir Fußball und decken gemeinsam den Tisch. Es fühlt sich an wie in einer großen Familie. Natürlich treten auch ab und zu Probleme auf, z.B. werden bis auf einen in unserer Gruppe alle krank und viele müssen vorübergehend in das benachbarte Krankenhaus eingeliefert werden (denn nur dort gibt es überhaupt Ärzte). Doch weil wir diese Probleme alle zusammen, mit der Hilfe unserer brasilianischen Freunde besprechen, können wir sogar die schwierigsten von ihnen meistern und machen nebenbei sogar noch riesige Fortschritte in der Projektarbeit.

Wir arbeiten jeden Tag Schulter an Schulter mit unseren Freunden und stellen eine Menge energiearmer Öko-Steine her, bohren einen Brunnen und befreien unsere gesamte Plantage von Gestrüpp.

 

Arbeiten, schwitzen und lachen: „Wir haben viel geschafft“

von Leonard Ihßen, 17 Jahre

Die Wochen in Brasilien waren für mich voller Zerrissenheit. Zum Einen hat es mir wahnsinnigen Spaß gemacht, mit den Brasilianern zusammen zu arbeiten und unser gemeinsames Projekt voran zu bringen. Zum Anderen war es für mich hart zu sehen, wie Jugendliche in meinem Alter unter Chancenungerechtigkeit leiden müssen. Jugendliche wie ich, mit den gleichen Interessen und Hobbys, Jugendliche, die eigentlich etwas erreichen wollen im Leben und vor allem, die etwas erreichen können! Das haben wir in den vergangenen vier Wochen gesehen, in denen wir Schulter an Schulter mit unseren Freunden gearbeitet, geschwitzt und gelacht haben.

Wir haben viel geschafft!

In der ersten Woche haben wir ökologisch hergestellte Steine aus gesiebtem Sand und ein bisschen Zement gepresst. Die Brasilianer zeigten uns, wie wir die Maschine zu bedienen hatten und danach konnte es losgehen. Wir schafften viel, viel mehr als wir uns vorgenommen hatten.

Doch das Projekt kam trotz allem schon in der zweiten Woche ins Stocken. Die Gruppe wurde krank. Beinahe alle meiner Mitreisenden lagen mit hohem Fieber und Durchfall im Bett oder sogar im Krankenhaus. Die Brasilianer versorgten uns in dieser Zeit besser denn je. Es gab keinen unerfüllten Wunsch, keine ausgeschlagene Bitte. Manchmal, so schien es, vergaßen sich unsere Freunde sogar selbst, nur um uns das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Oft konnten wir die helfenden Angebote gar nicht annehmen, so überschwänglich hilfsbereit waren sie.

In der dritten Woche wurden beinahe alle wieder gesund und es wurde weiter gearbeitet. Nun mussten wir die verloren gegangene Zeit wieder aufholen und legten uns dafür mächtig ins Zeug. Der geplante Brunnen wurde fertiggestellt. Außerdem beseitigten wir das Gestrüpp auf unserer Plantage restlos und sind somit bereit, die Gebäude, Pflanzen und Maschinen aufzustellen, die wir für die Herstellung des Saftkonzentrats benötigen.

Die vierte Woche verbrachten wir hauptsächlich auf Reisen in der näheren Umgebung. Wir besuchten benachbarte Kolpinggemeinden und soziale Projekte und knüpften hierdurch wichtige Kontakte.

Zuhause angekommen genießt man natürlich den wiedergewonnenen Luxus, den man nun viel mehr zu schätzen weiß. Das eigene Bett, der immer gefüllte Kühlschrank, die Dusche, doch hätte wahrscheinlich ein jeder unserer Gruppe auf diesen Luxus noch einige Monate verzichtet, um diese Zeit stattdessen mit unseren neugewonnenen Freunden aus Brasilien verbringen zu können.

Auch Bürgermeister Prof. Manin Geronço (im blauen Hemd) besuchte uns bei der Arbeit und half selbstverständlich fleißig mit!

weitere Fotos von der Herstellung der "tijolo ecologico" finden Sie hier

Ziegelsteine pressen gegen die Sucht

von Leona Holzki, 17 Jahre

Frederico arbeitet den ganzen Tag mit uns im Centro, in dem er mit uns Backsteine herstellt. Seine zwei Schwestern kommen nach dem Schulunterricht auch dazu. Auch gestern waren die drei Geschwister wieder da und arbeiteten fleißig mit. Ich saß auf einem Stuhl und beobachtete sie. Mylla begann sich mit einem der Mädchen zu unterhalten. Sie ist die einzige von den dreien, die auch am Projekt teilnimmt. Sie erzählte, dass sich ihre Mutter vor einigen Tagen versucht hatte umzubringen. Sie hatte viele Tabletten geschluckt, konnte aber noch rechtzeitig gefunden werden. Ich war geschockt. Seit ein paar Tagen lag also dieses Erlebnis auf den Schultern dieser Jugendlichen und dennoch kamen sie freudig lächelnd jeden Tag auf mich zu, begrüßten mich und arbeiteten beständig und mit Freude mit.

Sehr vorsichtig fragte ich, warum ihre Mutter versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Ich erfuhr, dass Frederico ein sehr großes Drogenproblem hat, mit dem er nicht alleine zurecht kommt. Das hatte die Mutter nicht mehr ausgehalten. Doch Mylla erklärte mir auch, dass er deshalb jetzt mitarbeitet, um die Sucht zu bekämpfen. Er fängt früher an als wir und hört auch erst später auf, um sich abzulenken. Mit Erfolg, seit zehn Tagen ist er sauber. 

Das hat mich so bewegt, dass ich erst einmal raus gehen musste. Doch eine der Schwestern kam hinter mir her und fragte mich, warum ich weine, so lieb und freundlich, dass es mir sehr schwer fiel, nicht ganz von meinen Gefühlen übermannt zu werden. Ich schluckte und nahm sie einfach nur in den Arm. Es ärgerte mich, meine Ausdrucksmöglichkeiten reichen nicht so weit, dass ich mit ihr darüber reden könnte. Deshalb hielt ich sie nur in den Armen. 

Drogen sind in Porto ein großes Problem. Ich habe ein etwas mulmiges Gefühl, wenn ich daran denke. Doch ich habe die Hoffnung, dass sich der Konsum einschränken lässt. Vom Stadtrat ist geplant, eine Entzugsklinik zu bauen, in die Abhängige aus mehreren Städten der Region kommen können, um sich helfen zu lassen. Ich bin sehr erfreut darüber, dass die Portuenser dieses Problem angehen. 

Frederico heißt eigentlich anders. Aber wir möchten, dass er selbst entscheiden kann, wer von seiner Drogensucht erfährt. Deshalb haben wir uns einen anderen Namen ausgedacht.

Vollkommen abgefahren

von Julie Moser, 16 Jahre

Eines Abends wurde ich von zwei brasilianischen Freunden gefragt, ob ich mit ihnen eine Runde auf ihrem Motorrad durch Porto machen möchte - ich willigte ein. Wir fuhren zu dritt durch Straßen, in denen ich zuvor noch nie gewesen bin. Langsam wurde mir mulmig zumute.

Es wurde immer dunkler und noch unheimlicher. Ich hatte das Gefühl, dass gleich etwas passieren würde. Bis auf einmal - eine Bande junger Hunde aus einer Straße kam! Ich hatte solche Angst, dass mich die Hunde packen könnten und schmiss deshalb meine Beine in die Luft. Die Brasilianer lachten nur, nach dem Motto, wir kennen das ja schon. Ich schrie ihnen zu „Por favor muito rapido!“, was ungefähr so viel heißt wie: Bitte schneller. Irgendwann blieben die Hunde stehen. Das war ein kleiner Moment zum Aufatmen.

Ich war so froh, als ich unser Haus sah und die anderen Jugendlichen. Ich würde dieses Erlebnis nicht als negativ bezeichnen, eher als „Learning by doing“. Wo kann man schon mal so etwas Abgefahrenes erleben? Also in Deutschland bestimmt nicht, dafür muss man sich schon auf den Weg in ferne Länder machen.

 

Die versteckte Seite der lebensfrohen Brasilianer

von Leona Holzki, 17 Jahre

In Porto ist es nicht selbstverständlich, dass uns die Jugendlichen in das Haus mitnehmen, in dem sie wohnen. Denn oft schämen sie sich für ihren Lebensstandard. Deshalb nenne ich das Mädchen, von dem ich euch erzählen möchte, Francisca. Eigentlich heißt sie ganz anders.

Mylla fragte mich heute, ob ich mitkommen wolle, Francisca, ein Mädchen aus dem Projekt, mit dem Motorrad nach Hause zu bringen. Sie wohnt ca. sieben Kilometer außerhalb von Porto. Auf einem sandigen Weg, voller Schlaglöcher und Steine fuhren wir an vereinzelten Häusern vorbei. Mir wurde mulmig zumute, was wird das für ein Haus sein? Wie soll ich mich dann verhalten? Doch nach ungefähr fünf Kilometern kam ein großes, gut gebautes Haus und ich dachte, hier würde sie wohl wohnen und atmete auf, doch wir fuhren weiter.

Wir steuerten eine Lehmhütte an, mit getrockneten Palmenwedeln bedeckt. Ein kleines Mädchen schaute mich mit großen dunklen Augen an. Zwei weitere kamen freudig ihren Namen singend hinter dem Haus hervor. Neugierig sahen sie mich an. Franciscas Mutter kam lächelnd aus der Hütte. Wir wurden einander vorgestellt und mit strahlenden Augen umarmte sie mich fest und lange. Sie zeigte mir ihre Küche. Sie wirkte fast stolz, eine Küche zu haben, die aber nur aus Lehm gebaut war. Selbst der Backofen war aus Lehm. Sie führten mich weiter durch ihre Hütte. Es gab keinen Putz an den Wänden und kaum Möbel. Doch sie wirkten gar nicht traurig. Und die zwei kleinen Kinder, kamen sehr zutraulich auf mich zu und als ich mich zu ihnen hinunter beugte, setzte sich das Mädchen bei mir auf die Knie und schaute mir lächelnd ins Gesicht. Wir verabschiedeten uns und Francisca hielt mich lange fest.    

Ich kenne Francisca als ein sehr frohes, immer gut gelauntes, lachendes Mädchen. Wenn man sie trifft, dann glaubt man nicht, dass sie so leben muss. Dieses Erlebnis, der Besuch bei ihr zu Hause, war sehr eindrucksvoll und ich konnte spüren, wie dankbar Franciscas Mutter ist, dass ihrer Tochter die Chance gegeben wird, an unserem Projekt teilzunehmen.

Trommeln in der Kirche

von Leonie Lippmann, 18 Jahre

Auf unserer Reise besuchten wir auch einige Kolpinggemeinden. Kolping ist eine soziale Initiative der Katholischen Kirche. Zudem besuchten wir zahlreiche Gottesdienste, die im Gegensatz zu meinen Erwartungen gar nicht langweilig waren. Sie waren schön gestaltet, mit viel Musik und Klatschen, eher fröhlich und lebenslustig und nicht so trist wie die in Deutschland. Es wurde teilweise sogar Schlagzeug gespielt, wo gibt es denn so was? Und das in einem Land, von dem ich dachte, dass es sehr katholisch ist.

 

Zwei Kirchen, zwei Welten

von Leonard Ihßen, 17 Jahre

Am Sonntag wurden wir gleich zu zwei Gottesdiensten eingeladen. Morgens besuchten wir die katholische Messe. Hier war alles wie erwartet. Die Messe wurde feierlich mit viel Gesang und dem Abendmahl gehalten.

Mir fielen die beiden Bürgermeister auf. Der alte zu meiner linken gab sich sehr ehrfürchtig und gläubig, wirkte jedoch auf mich so, als würde er es eher als Pflichtprogramm ansehen und seine Show abhalten. Der jetzige Bürgermeister wirkte ehrlicher auf mich, er und seine Frau hielten die Messe wie alle anderen ab, wobei aber auch sie in der ersten Reihe Platz genommen hatten. Am Ende der Messe sangen wir Brasil09ner gemeinsam den Kanon „Herr, gib uns deinen Frieden“, wobei wir uns in den Mittelgang der Kirche stellten und die Besucher der Kirche an den Händen hielten.

Abends besuchten wir den Gottesdienst der evangelisch-baptistischen Kirche. Diesen werde ich vermutlich nicht so schnell wieder vergessen. Wir betraten die „Kirche“ und merkten sofort, dass wir hier falsch waren. Der Pastor, oder vielmehr der, der am meisten redete, war angezogen wie ein schlechter Moderator einer noch schlechteren Lotterieverlosung. Vielleicht lag es an der Art seiner Bewegungen, an seiner Golduhr, an seinem komischen Anzug oder an der Art, wie er sich lässig an der Kanzel abstützte. Auch der Vorhang hinter ihm bot weder einen feierlichen, noch einen kirchlichen Anblick. Der Gottesdienst dauerte mehr als zwei Stunden, wobei seine Predigt die ganze Zeit von lautem Seufzen, Rufen, Stöhnen und Weinen unterbrochen wurde. Alles wirkte fremd und überzogen. Wie uns Monica übersetze, handelte die Predigt von der Kreuzigung Christi. Vielleicht hatte der Mann im Anzug seiner Gemeinde aufgetragen, den Schmerz der Kreuzigung nachzuempfinden, auf jeden Fall fingen alle wie auf Knopfdruck an zu schreien und steigerten sich bis ins laute Weinen hinein.

Der Mann im Anzug stachelte sein armes Publikum immer weiter an und quälte sie gefühlte vier Stunden lang mit seiner Predigt. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir verließen den „Gottesdienst“ nach zwei Stunden Dauerbeschallung völlig gerädert.

 

 

Welch ungeheurer Luxus!

von Aaron Sundermeyer, 17 Jahre

Ich habe mich ein ganzes Jahr auf diese Reise gefreut und war froh, als es endlich losging. Brasilien; ich konnte mir anfangs nicht so recht viel über das Land, die Menschen und deren Kultur vorstellen und habe selbst durch ausgiebige Erzählungen keinen richtigen Überblick bekommen, wodurch ich umso gespannter der Reise entgegen sah.

Als ich Rio gesehen hatte, wurde mir klar: hier werde ich noch einiges erleben und vieles an einschneidenden Erlebnissen mitnehmen. Rio ist das krasse Beispiel für den Klassenunterschied zwischen Reich und Arm. Neben wild übereinander gebauten kleinsten Hütten, die neben Müllbergen stehen, prangen riesige Wolkenkratzer mit luxuriösen Hotels. Kinder laufen auf den wildbefahrenden Straßen und versuchen, kleine Waren an die Autofahrer zu verkaufen, die meist unter lautem Hupen fortrasen. Wenn man über die viel befahrenen Brücken fährt und von oben in die arm gebauten Hütten schaut, so bekommt man ein Gefühl von Leere, da man völlig erschlagen wird von dem, was man da sieht.

Dieser Moment hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht. Man bekommt endlich ein wirkliches Bewusstsein, das mir zeigt, in welchem ungeheuren Luxus und Wohlstand wir leben und wie dankbar wir für all das sein müssen, was wir besitzen und was wir für viele Möglichkeiten und Perspektiven haben. Dies ist mir auch immer wieder in Porto klargeworden, wodurch sich meine Wertschätzung unserer ganz alltäglichen Dinge, wie z.B. Wasser, extrem gebessert hat.

Unser großer Tag: hoher Besuch und ein tiefes Loch

von Peter Holzki

Es sollte der wichtigste Tag unseres Aufenthaltes in Porto werden: Freitag, der 12. Juli. Der Tag, an dem die Brunnenbohrer auf unserem Grundstück Wasser finden sollten. Und der Tag, an dem der Gouverneur von Piauí in Porto erwartet wurde. Wir wollten dem Oberhaupt des Bundesstaates unser Projekt vorstellen und hofften auf seine Unterstützung.

Es war ein sonniger Tag. Als die vier Arbeiter des Bohrtrupps morgens auf unsere Plantage fuhren, brannte die Sonne bereits kräftig. Eine Herde wilder Ziegen und einige Wildschweine, die durch den beschädigten Zaun auf unser Grundstück gekommen waren, flüchteten vor dem LKW. Dutzende Libellen schwirrten um unsere Köpfe herum, am Himmel segelte ein Urubu, der Geier Brasiliens, elegant seine Runden.

Der Hochbehälter für die Bewässerung soll am oberen Ende der Plantage aufgestellt werden, damit das Wasser nur durch Schwerkraft zu den einzelnen Pflanzen fließt. In unmittelbarer Nähe wollten wir den Brunnen bohren. Aldo formte einen Ast zu einer Wünschelrute und ging damit über das Gelände. Die Rute schlug unweit der gewünschten Stelle aus. Der Bohrpunkt war bestimmt.

Während die Arbeiter die Bohrung vorbereiteten, führte Aldo uns durch das Dickicht außerhalb der Plantage. Dort liegt ein noch ursprünglicher Palmenwald und wir mussten etliche Höhenmeter zurücklegen. Dieser Teil des Grundstückes, insgesamt zwei Drittel der Fläche, soll unberührt bleiben.

Um 11.00 Uhr setzten die Arbeiter den druckluftbetriebenen Bohrer an. Er machte einen ohrenbetäubenden Lärm. Die ersten sechs Meter gingen sehr schnell, leuchtend gelber Sand spritzte nach oben. Dann wurde der Boden dunkler, wir bohrten durch eine Tonschicht. Das Gesteinsmehl wurde feucht, wir wurden schon ein wenig euphorisch. Nach elf Metern stießen wir wie erwartet auf Stein. Das Tempo der Bohrung wurde deutlich langsamer, es ging nur noch zentimeterweise voran. Alle fünf Meter musste das Bohrgestänge verlängert werden.

Als wir nachmittags erneut auf die Plantage kamen, waren die Arbeiter bereits bei 85 Metern Tiefe. Von Wasser war jedoch bislang keine Spur. Wir waren enttäuscht. Wir hatten die ersten Wasserschichten bereits bei 40 Metern erwartet. Bei 100 Metern Tiefe wurde die Bohrung abgebrochen. Hatten wir einfach nur Pech gehabt und einen besonders großen und dichten Fels erwischt und nur ein Meter weiter wäre Wasser gewesen? Oder gab es in diesem Bereich der Plantage kein nutzbares Grundwasser? Sollten wir rund 5.000 Euro für diese Bohrung buchstäblich in den Sand gesetzt haben?

Der Gouverneur ließ unterdessen auf sich warten. Planmäßig sollte er um 13.40 Uhr in Porto eintreffen. Niemand wusste, wann er wirklich kommen würde. Wir warteten am Ortseingang – eine Stunde, dann zwei, schließlich drei. Wieder Frust. Das Programm musste kräftig zusammengestrichen werden, wir würden wohl keine Gelegenheit haben, ihm unser Projekt vorzustellen. Für die Vorführung unserer kleinen Solaranlage würde es schon zu dunkel sein.

Schließlich kam der Gouverneur mit einem großen Wagentross amerikanischer Pick-Ups mit schwarzen Scheiben. Als er unsere Jugendlichen entdeckt hatte, winkte er uns für ein Foto zu sich, küsste die Mädchen und gab sich sehr freundlich und jovial. Die Kameras klickten.

Anschließend besuchte der Gouverneur das örtliche Krankenhaus und fuhr zu einer Schule, wo viele Stühle und ein Podium aufgebaut waren. Die Politiker aus Porto hielten Reden, der Gouverneur begrüßte noch einmal ausführlich unsere Gruppe, sprach von seiner sechsmonatigen Tätigkeit als Arzt in Berlin-Steglitz und von der großartigen Leistung der Deutschen, die beiden Staaten zu vereinigen. Außerdem versprach er unter großem Jubel eine deutlich bessere Ausstattung des örtlichen Krankenhauses und den Aufbau zusätzlicher Gesundheitsstationen.

Bevor der Gouverneur ging, konnten wir ihn gerade noch um einen Eintrag für unser Goldenes Buch bitten. Während er schrieb, erläuterte Monica kurz unser Projekt und ging auf die Solaranlagen ein, die wir als Pilotprojekt in Porto aufstellen wollten. Er zeigte sich sehr interessiert und würde da gern mit uns zusammenarbeiten. Schlagartig wandelte sich dieser frustrierende Tag in einen Erfolg.

Am Samstagmorgen ließ Aldo die Bohrung auf der Plantage noch etwas tiefer treiben. Bei 117 Metern war der Fels endlich durchstoßen. Wasser sprudelte mit großem Druck aus dem Bohrloch. Was für eine Erleichterung! Fast hätten wir aufgegeben. Innerhalb von fünf Stunden pumpten wir 10.000 Liter Wasser hoch, die für die Plantage benötigte Tagesration.

In Brasilien muss man Geduld haben und warten können. Dann wird alles gut!

Drehen, springen, hopsen bis zum Umfallen

von Julie Moser, 16 Jahre

Am  vergangenen Sonntag hatten wir zum ersten Mal Tanzunterricht bei Daniella, die extra aus Teresina gekommen war. Weil sich im Jugendzentrum inzwischen die ökologischen Ziegelsteine türmten, trafen wir uns in der renovierten "Casa das Frutas". Zum Eintanzen fingen wir mit zwei leichten Schritten an. Mein brasilianischer Tanzpartner hatte die Schritte relativ schnell drauf und führte mich, bis ich sie auch konnte. 

Dann ging es an den richtigen Tanz. Es dauerte eine Weile, bis alle auf ihrem Platz mit dem richtigen Partner zusammen standen. Es fing mit leichten Schritten an und steigerte sich dann, je weiter die Choreographie fortgeschritten war. Da es so warm war, fiel das Tanzen schwerer, machte aber trotzdem unglaublichen Spaß. Wir drehten, sprangen, schritten und hopsten bis in den späten Nachmittag hinein. Etwas kaputt und zufrieden gingen wir nach Hause. Ich hoffe die nächste Tanzstunde folgt bald!

Parnaíba-Delta: wunderschön, unglaublich schön

von Julie Moser, 16 Jahre

Ein sehr schönes, vielleicht sogar eines der schönsten Erlebnisse, an welches ich mich gut erinnern kann, ist die Fahrt in das Parnaíba-Delta. Nach einer langen Busfahrt waren wir endlich angekommen. Wir stiegen auf ein Boot, das uns durch die wunderschöne Landschaft bringen sollte. Unglaublich schöne Landschaften. Sand wie tausend Mal gemahlen, ganz fein und weich. Palmen und ganz klares Wasser. Nach etwa einer Stunde machte das Boot Halt und wir durften ein erfrischendes Bad im kühlen Atlantik nehmen. Dies war einer der schönsten Momente. Es war alles so unbeschwert. Alle waren im Wasser, spritzten sich nass, schwammen über die Wellen, es machte so unglaublich Spaß.

Wir sind zu einer Gemeinschaft herangewachsen und das konnte man richtig spüren. Bald fuhren wir weiter zu den Dünen. Wir erklommen sie und sprangen sie wieder hinunter, ein paar schöne Fotos sind dabei entstanden.

weitere Fotos aus dem Delta finden Sie hier

Montezumas Rache

von Leona Holzki, 17 Jahre

Mein Bauch krampfte sich zusammen. Der Schweiß stand mir auf der Stirn und begann an den Schläfen herunter zu laufen. Mylla wedelte mir mit einem Blatt Luft zu. Wiederholt wurde bei mir Fieber gemessen und ich musste Kokoswasser trinken, das mir überhaupt nicht schmeckt. Beharrlich versuchte sie, mich dazu zu überreden ins Krankenhaus zu gehen. Doch alles Reden war vergeblich, ich weigerte mich. Nach langem hin- und herwälzen schlief ich wieder ein. 

Als ich wieder aufwachte, ging es mir etwas besser. Doch auf dem Rückweg von der Toilette wurde mir schwarz vor Augen und ich legte mich einfach flach auf den Boden. Erst nach einigen Minuten schaffte ich es, die letzten zwei Meter zurück auf die Terrasse zu meinem Krankenbett zu kriechen. Inzwischen kamen die Anderen vom Jugend-Kolping-Festival zum Thema Drogen und Verkehrssicherheit zurück. Ich zog mich in mein Zimmer zurück. 

Es muss so gegen Mitternacht gewesen sein, als Mylla feststellen musste, dass mein Fieber nun auf 40 Grad gestiegen war. Besorgt rief sie Neto an, der mit den Jungs in einer Bar saß und sofort mit Marcelo kam, um mich nun doch ins Hospital zu bringen. Sehr widerwillig, aber zu schwach um mich wirklich zu wehren, ließ ich mich ins Auto setzen und zum 200 m weit entfernten Krankenhaus fahren. Ich sackte auf der Liege zusammen. Neugierige standen in der Tür und begutachteten mich, ob das wirklich alles Krankenschwestern waren, wage ich zu bezweifeln. Als der Arzt kam, beantwortete ich tapfer die Fragen und ließ mich abtasten. Völlig entkräftet stützte ich mich auf Mylla und schwankte in ein Krankenzimmer. Wenig später traf auch Jan mit ähnlichen Symptomen ein.

Eine Krankenschwester, ohne Kittel oder einem uns bekannten Schwestern-Outfit, kam und prüfte meinen Blutdruck. Angespannt, aber mich zwingend die Hand locker zu lassen, wurde mir ein Infusionszugang gelegt. So war meine Hand außer Gefecht gesetzt und es war mir nicht möglich, allein auf die Toilette zugehen oder zu duschen. 

Beim Aufwachen war ich von Schweiß durchnässt, mein Fieber war immer noch nicht wieder gesunken und der Ventilator war nicht stark genug, so dass kein Windzug bei mir ankam. Also wurde ich kurzer Hand aus dem Bett geholt und mein Bett umgestellt. Erleichtert legte ich mich in den Luftzug und schlief wieder ein. Mylla wachte die ganze Nacht an meinem Bett.

Nach einer relativ unruhigen Nacht ging es am Tag mit mir wieder Berg auf. Während wir zahlreichen Besuch erhielten, wurde auch Leonie im Laufe des Tages eingeliefert. Nach dem zweiten Infusionsbeutel wurde ich vom Schlauch befreit, ich musste jedoch bis zum Abend warten, bis der Arzt eintreffen und mich entlassen würde. Doch als er dann endlich eintraf, die große Enttäuschung, mein Blutdruck gefiel ihm noch nicht und auch meine Hände zeigten nicht die gewünschte Reaktion. Also musste ich eine weitere Nacht im Krankenhaus schlafen und ein weiteres Mal an den Tropf. Zunächst jedoch wollte meine Ader die Nadel nicht annehmen und sie schwoll an, es sah aus wie eine Murmel unter der Haut. Im zweiten Anlauf jedoch funktionierte der Zugang. Ich wachte wieder auf, weil sich jemand an meiner Hand zu schaffen machte. Müde schlug ich meine Augen auf und sah, dass Myllas Schwester meinen Infusionszugang entfernte. Zwar etwas verwundert aber nicht empört, sah ich ihr dabei zu, wie sie mir das lästige Teil auf der Hand zog. Und am nächsten Tag durfte ich dann endlich nach Hause.

Der Abschied

von Hannah Bremeyer, 15 Jahre

Nach mehr als drei Wochen kam der Tag des Abschiedes... so viel geweint hatte ich noch nie an einem Tag! In der Zeit habe ich so viele neue nette Menschen kennengelernt und die Erfahrung gemacht, wie gut man sich auch ohne Worte nur durch Taten verständigen kann. Doch nun musste ich mich für ungewisse Zeit verabschieden, nach drei Wochen fast 24 Stunden am Tag Zusammensein, zu arbeiten, etwas zu bewirken und Spaß zu haben, sind mir die anderen so ans Herz gewachsen.

In der Halle am Flughafen standen wir nun und mussten es hinter uns bringen. Meine brasilianische Gastschwester und ich sahen uns an und mussten beide anfangen zu weinen. Wir umarmten uns und bevor ich durch die Absperrung ging, drückte sie mir noch etwas in die Hand: Ein kleines Armband, das ich seitdem nicht abgelegt habe.

 

Eine unbeschreibliche Zeit, die ich nie vergessen werde

von Aaron Sundermeyer, 17 Jahre

Ich habe in Porto sehr intensive Freundschaften mit Jugendlichen geschlossen, mit denen ich noch über Facebook in Verbindung stehe und die ich unbedingt nochmal wiedersehen möchte. Vor allem mit Neto und Rafael, den beiden Brüdern, habe ich täglich etwas unternommen und sie tief in mein Herz geschlossen. Jeden Abend saß ich mit ihnen und vielen anderen zusammen und habe die Gemeinschaft genossen.

Diesen ständigen Kontakt mit Menschen und dieses Zusammenleben habe ich in den Wochen nach der Reise sehr stark vermisst und ich vermisse es bis heute. Es war eine unbeschreibliche Zeit, die ich nie wieder vergessen werde und ich hoffe, in zwei Jahren noch einmal hinfliegen zu können, um meine brasilianischen Freunde wiederzusehen!

Impressionen aus Porto finden Sie hier.

Fotos: Peter Holzki, Flavia Holzki, Leonard Ihßen, Aaron Sundermeyer, Michael Glubrecht

 

Weitere Berichte, die wir schon während der Reise veröffentlich haben, sind auf unserem Blog und auf Facebook nachzulesen.