UmWELTbewusst

„Pferde, Esel, Hunde und Katzen sind abgemagert. Viele Hunde haben nur noch drei Beine oder ziehen die Hinterbeine hinter sich her. Blutige Stellen am ganzen Körper locken die Fliegen an. Die Menschen hier sehen nur den Nutzen oder Nicht-Nutzen in den Tieren. Hunde werden getreten, geschlagen, angefahren und liegen gelassen. Die Kinder lernen es von klein auf nicht anders. Schon die Kleinsten werfen Tiere mit Steinen ab. Mir kommen manches Mal die Tränen in die Augen.“

So schilderte Sarah Frank 2009 in einem Reisebericht das Leben von Haustieren in Porto. Kastrationen, Wurmkuren, Flohhalsbänder – all so etwas gibt es in Porto nicht. Natürlich ist das Vieh nicht wichtig, solange die Kinder nicht versorgt sind. Aber dieses Verhalten stimmte uns doch nachdenklich. Auch mit ihren Grünflächen gingen die Portuenser alles andere als sorgsam um. Verpackungen, Plastikbecher und Glasflaschen ließen viele Erwachsene und Jugendliche einfach dort fallen, wo sie sie nicht mehr brauchten. Natur wird in Porto nur von wenigen Menschen als Erholungsraum empfunden. Ein Lehrpfad im Wald, mit Informationen zu den heimischen Vogelarten und Nagetieren, ist ihnen vollkommen fremd.

So beschlossen wir schon 2009, bei künftigen Austauschbegegnungen gemeinsam verschiedene Naturräume zu besichtigen. Wir wollen unseren Freunden ermöglichen, durch das eigene Natur-Erleben ein Bewusstsein für Tiere und Umwelt zu entwickeln. Der erhobene Zeigefinger kann langfristig nichts verbessern.

Inzwischen gehören Exkursionen in unterschiedliche Naturräume fest zum Programm unserer Austauschbegegnungen. Wir haben die trockensten Regionen Brasiliens während und außerhalb der Regenzeit gesehen und waren in der „Schweiz von Brasilien“ in der Nähe von Pedro II. Absolute Highlights sind auf jeder Reise die Bootstouren durch das drittgrößte Delta der Welt, das Delta do Parnaíba. Die türkisblauen Lagunen und Mangrovenwälder bezeichnen viele von uns als das Schönste, was sie je landschaftlich gesehen haben.  

Besonders beeindruckte uns auch der „Cachoeira do Urubú“, ein breiter und schäumender Wasserfall in der Nähe von Esperantina. Zurück in der Heimat suchten wir ihn auf google maps - und fanden ihn auf der damaligen Seite nicht. Die alten Satellitenbilder waren offensichtlich in der Trockenzeit gemacht - da war der reißende Fluss einfach ausgetrocknet.

Die Tiere, die wir in Porto und bei unseren Exkursionen sahen, ließen uns (und unsere Mütter daheim) manchmal den Atem anhalten. Skorpione, Vogelspinnen, Schlangen, Chamäleons, Affen, Papageien, verschiedenste Insekten und Fische und nicht zuletzt ein kleines, verendetes Krokodil.

So fremdartig und begeisternd diese Eindrücke für uns waren, so ähnlich muss es auch unseren brasilianischen Gästen hier ergangen sein. Wir erkundeten mit ihnen das Hollweger Moor bei Westerstede, fuhren mit der Kutsche vorbei an zahllosen Heidschnucken durch die Lüneburger Heide und wanderten mit einem Förster durch den Mischwald im Deister. Auf einem Bio-Bauernhof, in einer Obstplantage, auf einem Reiter- und Ferienhof, im Zoo Hannover, auf einer Biogasanlage und bei Arbeitseinsätzen für den NABU lernten sie unseren Umgang und unser Interesse für Tiere und Umwelt kennen. 

Durch diese Erlebnisse keimt in einigen portuensischen Jugendlichen inzwischen Achtung und Bewusstsein für die natürliche Vielfalt und Schönheit. Auch das Umweltbewusstsein der deutschen Teilnehmer hat sich verschärft. Beides dient als Grundlage für unser Obstprojekt Fruticultura. Unsere Plantage soll nicht nur ökonomischen Nutzen stiften, sondern auch ein Ort sein, an dem der natürliche Reichtum Brasiliens erlebbar wird.