Der Brasil09-Apfelsaft

Ein Beispiel für Bildung für nachhaltige Entwicklung

Durch unser Prinzip der Durchführung paralleler ähnlicher Projekte in Brasilien und Deutschland wollen wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede in beiden Ländern entdecken und vertieft kennenlernen.

Zeitgleich zu unserem Projekt Fruticultura in Porto haben wir folgende Projektidee in Deutschland entwickelt: Im Spätsommer und Herbst sammeln wir auf Streuobstwiesen, Apfelalleen und in Gärten Fallobst und ernten die Äpfel. Wir pressen und mosten sie zu Saft und verkaufen diesen in der Schule und in der Region. Den Erlös setzen wir für den Aufbau einer ökologischen Obstkooperative in Porto ein.

Was ist daran nachhaltig?

Ökologie: Streuobstwiesen und Apfelbaumalleen mit ihrer Vielzahl von alten Apfelsorten bieten vielen Tieren einen wertvollen Lebensraum und drohen aus unserer Landschaft zu verschwinden. Durch unser Projekt vertiefen wir das Verständnis für den Wert unserer heimischen Streuobstwiesen als Oase der Artenvielfalt und Lebensraum für eine Fülle heimischer Tier- und Pflanzenarten.

Ökonomie: Den Großteil des Saftes lassen wir in einer Mosterei in der Region pressen. Damit unterstützen wir die lokale Wirtschaft. Den Saft verkaufen wir auf dem Schulhof, bei öffentlichen Veranstaltungen in der Schule und der Region, wie zum Beispiel dem Großraum-Entdeckertag. Die kurzen Transportwege schonen die Umwelt zusätzlich. Produkte aus der Region, für die Region.

Soziales: Jedes Jahr rufen wir die Schulgemeinschaft auf, sich am Sammeln zu beteiligen und uns in ihre Gärten einzuladen, um das Fallobst aufzulesen. Viele Menschen schenken uns ihr überschüssiges Obst. Den Gewinn setzen wir zu 100 Prozent für das Projekt Fruticultura ein, damit sozial benachteiligte Jugendliche in Porto ökologischen Anbau lernen und ein erstes Einkommen verdienen können.

Bildung: Bei vielen Veranstaltungen pressen wir den Saft gemeinsam mit den Gästen. Diese sehen, wie aus den verschiedensten Äpfeln der frische Saft gewonnen wird. Die Meisten sind begeistert von seinem fruchtigen Geschmack. Der unverdünnte und unbehandelte Saft schmeckt viel leckerer als der abgepackte im Supermarkt. Für Einige von ihnen war das Fallobst vorher ein Abfallprodukt. Durch unsere Aktion lernen sie seinen Wert kennen. Außerdem informieren wir über das Konzept der Nachhaltigkeit und unser Projekt in Brasilien. Durch die Apfelaktion werden viele Menschen erst auf die Situation von Jugendlichen im Nordosten Brasiliens aufmerksam gemacht.

Vorbildfunktion: Unser Projekt kann man überall nachmachen, wo es Apfelbäume und anderes Fallobst gibt. Sogar unsere Freunde in Brasilien wollen das Konzept mit tropischen Früchten umsetzen. Sie beteiligen arme Familien aus dem Stadtbezirk am Gewinn, die ihnen Obst in die Kooperative bringen. Die Aktion befähigt Menschen also im Sinne der Bildung für nachhaltige Entwicklung, selbst nachhaltig zu handeln. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat unsere Apfelaktion mit dem 1. Preis im Schülerwettbewerb „Entdecke die Vielfalt“ ausgezeichnet.

Wie alles begann

Am Großraum-Entdeckertag 2010 verkauften wir Jugendlichen von Brasil09 frischen Saft an die Besucher, den wir aus selbstgesammelten Äpfeln gepresst hatten.

Zwei von ihnen waren so begeistert von der Aktion und schlugen uns eine Wette vor. Wenn wir es schaffen würden, innerhalb von zwei Wochen 1.000 Kilogramm Äpfel zu sammeln, würden sie dem Projekt 1.000 Euro spenden.

Top, die Wette gilt! Dieses großzügige Angebot nahmen wir natürlich sofort an.

Wir verteilten uns erneut auf alle Apfelalleen, Streuobstwiesen und Gärten in unserer Umgebung und brachten am Stichtag 2.419 Kilogramm auf die Waage. Darüber staunten nicht nur wir, sondern die ganze Schulgemeinschaft. So viele Äpfel konnten wir auf keinen Fall allein pressen und innerhalb der nächsten Tage loswerden. So entschlossen wir uns, sie professionell mosten zu lassen und die Flaschen über den Winter zu verkaufen.

Der Erfolg dieser Aktion war überwältigend:

  • Wir hatten die Wette gewonnen und damit 1.000 Euro für unser Projekt.
  • Wir ließen die Äpfel in einer Mosterei pressen und verkauften den Saft. Der Gewinn: wieder 1.000 Euro für unser Projekt!
  • Unsere Aktion wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit dem 1. Preis im Wettbewerb „Entdecke die Vielfalt“ ausgezeichnet: Wir gewannen noch mal 1.000 Euro für Brasil09! 

Natürlich setzten wir das Apfelsammeln in den beiden folgenden Jahren fort. Unser Saison-Rekord liegt bei 3.652 Kilogramm Äpfeln. Insgesamt haben wir mehr als 7.000 Flaschen Saft verkauft. Das Apfelsammeln und Mosten hat viel Arbeit und viel Spaß gemacht und unsere Gruppe zusammengeschweißt. Und was noch besser ist: es hilft, das Leben für Jugendliche in Porto lebenswerter zu machen.

Leonard Ihßen