Entwicklungsarbeit statt Klassenfahrt

Das vierwöchige Workcamp in Brasilien 2009 war zugleich die Abschlussklassenfahrt der damaligen 12. Klasse der Freien Waldorfschule Sorsum. Auf dieser Seite haben wir einige Erlebnisberichte der Schüler zusammengetragen. Eine Projektbeschreibung finden Sie unter „Centro da Juventude“.

Begegnungen

von Rea-Helena Fremerey

Ich erinnere mich an so viele Begegnungen, die ich haben durfte. Doch es gibt einige, die herausstechen. Die besonders für mich sind und vor allem viele Emotionen in mir auslösten. Diese Begegnungen haben mich verändert, sie haben meine innersten Gefühle angerührt. Es war am „Tag der Frau“, als ein kleines Mädchen auf mich zukam und mir ihre Hand geben wollte. Ihre Mutter stand etwas abseits und feuerte sie an. Als sie bei mir war und ihre Hand in meiner lag, sah sie plötzlich auf. Sie schaute mir mit ihren dunklen Augen direkt in meine. Dann schüttelte sie ihren Kopf und warf sich mir plötzlich um den Hals.

Ich war so perplex, dass ich erst nicht wusste, wie mir geschah. Aber als ich die Bedeutung dieser Umarmung verstand, war es um mich geschehen. Alle aufgestauten und nicht verständlichen Gefühle, die ich bis dahin hatte, kamen in Tränenform aus mir heraus. Ein unbeschreibliches Gefühl. Jemanden glücklich zu machen, nur mit seiner Anwesenheit! 

Ein Tag in Porto

von Jonas Sundermeyer

Voller Tatendrang und mit großen Erwartungen etwas zu bewegen machten wir uns auch heute nach einem sehr fruchtigen Frühstück wieder auf den Weg zur Baustelle. Schon als wir die Kirche hinter uns gelassen hatten und das Jugendzentrum in Sicht kam, wurde vielen von uns klar, dass man heute wohl nicht lange durchhalten würde, denn die drückend-schwüle Hitze kannte kein Erbarmen. Hinzu kam, dass sich noch nicht viele von dem Befall des “Ohrenbazillus” erholt hatten, so dass wir heute nur wenige Bauhelfer stellen konnten. 

Hauptsächlich musste heute Sand und Erde in die zukünftigen Räumlichkeiten gekarrt und dort festgestampft werden. Der Stampfer, ein Gerät mit langem Stiel und Stampfklotz, entwickelte sich schnell zu meinem Lieblingsarbeitsgerät, wodurch auch meine Aufgabe festgelegt war. Man arbeitete nun also mit den brasilianischen Jugendlichen und Bauarbeitern im Schweiße seines Angesichts und genoss es, “effektiv” und aktiv am Bau des Jugendzentrums beteiligt zu sein, (wenn die Erschöpfung für einige Zeit in Vergessenheit geriet). Dass ich mich dabei nicht wirklich verbal verständigen konnte, spielte überhaupt keine Rolle. Es machte die Sache eher lustig und spannend und es gab erstaunlich wenig Missverständnisse. 

Nach einigen Stunden harter Arbeit trotteten wir über die holprig gepflasterten Straßen dem Mittagessen entgegen. An die vielen Blicke von den am Straßenrand sitzenden Menschen hatte man sich langsam gewöhnt. Doch brachten sie auch immer wieder ein unbehagliches Gefühl mit sich, welches man dadurch zu Überspielen versuchte, dass man freundlich grüßte und so natürlich als möglich weiter ging. Man ging förmlich durch das typische Leben dieser Bevölkerung, denn die Straße ist das Leben in Porto/Piaui. 

Nach der Mittagspause, die ich vollends verpennte, stand der Besuch einer Schule in Porto auf dem Programm. Wir bekamen die Gelegenheit, zu zweit an den Unterrichten teilzuhaben. Kai und ich fanden uns zunächst im Religionsunterricht wieder. Die ohnehin nicht sehr aufmerksamen Schüler konnten sich Dank unserer Anwesenheit nun nur noch schwerlich disziplinieren. Viele kicherten verlegen, andere streckten uns ihre Schulblöcke entgegen in der Hoffung, dass wir etwas darauf schreiben würden - meine Portugiesischkenntnisse ließen leider zu Wünschen übrig. Nachdem wir noch den Philosophieunterricht älterer Schüler besucht und uns ihren interessierten Fragen gestellt hatten, versammelte sich die Schulgemeinschaft im Pausenhof, wo nun eine fast zweistündige Fotosession stattfand: Es schien so, als wenn sich jeder Brasilianer einmal mit einem Deutschen fotografieren lassen wollte, denn immer wieder wurden wir umringt, umarmt und umklammert. 

Auf dem Heimweg überraschte uns ein typisch brasilianisches Gewitter der Regenzeit. Nach einigen Sekunden waren alle nass bis auf die Haut und so machten wir einen kurzen Stopp im Kolpinghaus. 

Am Abend brachte noch eine dicke Vogelspinne Aufregung mit sich. Nach der Gefangennahme des achtbeinigen Geschöpfes spielte dessen Lebensdauer jedoch nur noch eine zweitrangige Rolle. 

Ein überwältigendes Naturerlebnis

von Kristina Lange

Nach einer Weile hält das Boot an einer Art Wüste an. Zuvor hatte es stark geregnet und es nieselte immer noch ein wenig. Doch der Regen hält mich nicht auf, ich will unbedingt den Sand unter meinen Füßen spüren und immer weiter den atemberaubenden Sanddünen folgen. Ich gehe zu Larissa und nehme sie an die Hand. Zusammen laufen wir über den Steg, ein Stück durch das Wasser und schließlich rennen wir die Sanddünen entlang. Immer und immer weiter, bis das Boot immer winziger wird. Hinter jeder neuen Düne entdecke ich etwas Neues. Direkt hinter der ersten großen Düne ist ein riesiger See. Ich laufe immer weiter, die Neugierde treibt mich immer mehr hinaus. Ich kämpfe mich eine steile Sanddüne hinauf und als ich oben ankomme, bleibt mir die Luft weg. Ich bin vollkommen erstaunt und in einer Art und Weise erschlagen.

Es ist eine weite grüne Fläche mit vielen Palmen, unterschiedlichsten Pflanzen und wenn man ganz ruhig ist, kann man die verschiedensten Tiergeräusche wahrnehmen. Ich will die ganze Welt umarmen und in diesem Augenblick kommt Larissa und drückt mich ganz fest. Ich kann kein richtiges Wort sagen, weil ich so begeistert und erstaunt bin. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt. 

Ein Erlebnis auf dem Dach

von Kai Walker

Nach einer Antwort auf die mir schon so oft gestellte Frage: „Was war denn dein prägendstes Erlebnis in Brasilien?“ brauche ich eigentlich nie lange zu suchen. Mir fällt immer wieder ein und dieselbe Geschichte ein. Eine Geschichte, die nicht von uns als Gruppe handelt, sondern von mir und einem jungen Brasilianer. Und zwar nur von uns.  

Die Dacharbeiten an unserem Bau neigten sich langsam dem Ende zu und es galt, die letzte Reihe Dachlatten auf die dicken Holzsparren zu nageln. Da war ich natürlich mit Freude dabei. Durch Zufall kam es dazu, dass ich allein mit einem Brasilianer auf dem Dach blieb. Es war der 15-jährige Sohn des Dachdeckers, Ismael. Wir waren einander zwar schon vorgestellt worden, doch Kontakt hatte ich zuvor noch nie mit ihm. Auch sonst hatte wohl noch keiner von den Deutschen jemals in irgendeiner Weise Kontakt zu ihm, denn er schien sich regelrecht vor uns zu verdrücken. Nie war er dort, wo wir waren. Weder war er auf einem unserer Feste anzutreffen, noch schien er mit den Brasilianern befreundet zu sein, mit denen wir am meisten zu tun hatten. 

Nur auf dem Bau war er anzutreffen und zwar nahezu jeden Tag. Immer wenn ich versuchte mit Ismael ins Gespräch zu kommen, stellte ich fest: Er war der schüchternste, zurückhaltendste, verbarrikadierteste und unterwürfigste Mensch, den ich auf unserer Brasilienreise kennen gelernt habe. Wenn man ihn etwas fragte, konnte man froh sein, wenn er einem mit Ja oder Nein antwortete und das für mich unangenehmste und zugleich bedrückendste war, dass er einem nie in die Augen geschaut hat. 

Dadurch fühlte ich mich von Mal zu Mal, das ich mit ihm redete, schlechter. Ich wollte nicht, dass er so einen Respekt vor mir hatte. Ich wollte niemand sein, dem man nicht in die Augen schauen kann. Ich wollte ihm ein Freund sein, ihm beweisen, dass ich auch nur ein Mensch wie er bin. Und genau das hätte ich ihm gerne gesagt. Einfach so. Doch dazu fehlten mir bei weitem die nötigen Sprachkenntnisse. Also beließ ich es wehmütig dabei und konnte nur hoffen, dass er sich irgendwann öffnen würde.

Wie gesagt, war ich an jenem Tag mit Ismael auf dem Dach beschäftigt und die einzigen Worte die wir, beziehungsweise ich mit Ismael wechselte, basierten auf rein „fachlicher“ Ebene: 

„Hast du noch mal ein paar Nägel für mich?“     

„Ja.“

„Danke.“

So ging das über einige Zeit und wir kamen mit der Arbeit gut voran. Und ganz plötzlich schien etwas in Ismael zu passieren. Etwas lockerte, ja platzte förmlich in ihm. Es fing damit an, dass er mich aus heiterem Himmel fragte, ob ich etwas Wasser haben wolle. Ich war überrascht, denn das waren bei weitem die meisten Wörter, die ich auf einmal aus seinem Mund gehört hatte. Doch etwas erstaunte mich noch mehr als alles andere. Die Art wie er mich bei seiner Frage angeschaut hatte. Es war als wäre ein neuer Mensch in seine Haut geschlüpft: Er sah mir in die Augen und lächelte. Freundschaftlich. Erleichtert. Glücklich. Er sah aus, als ob er wirklich all seinen Mut zusammengenommen hatte und seine gesamte Scheu mit diesen paar Worten, mit dieser gewaltigen Mutprobe einfach ausgelöscht hatte. Und er war stolz darauf, dass er es geschafft hatte. 

Ich war vollkommen überwältigt von einem Gefühl, das man absolut überhaupt nicht beschreiben kann. Wie ich so dastand und ihn anschaute bemerkte ich plötzlich drei Dinge. Erstens: Ich hatte seine Frage nicht beantwortet, zweitens: Ich hatte ihn jetzt ungefähr sechs Sekunden angestarrt als wenn er ein Weihnachtsgeschenk gewesen wäre, drittens: Er schaute mich mittlerweile auch fragend an. Ich berappelte mich und nahm sein Angebot Wasser zu holen dankend an. Als Ismael mit dem Wasser wieder kam, machten wir erstmal eine 5 Minuten Pause. Es bestätigte sich immer mehr, dass in Ismael irgendetwas passiert sein musste, denn zwischen uns herrschte bald ein freundschaftliches Gespräch. Er fragte mich über Deutschland, über meine Familie und über meine Schule aus. Dafür zeigte er mir, als wir unsere Arbeit wieder aufnahmen, wie man mit dem Zimmermannsbeil umging. Ich merkte richtig, wie viel Freude es ihm bereitete mit mir zu reden - von meiner Freude ganz zu schweigen. 

Doch auch die schönste Zeit geht mal zu Ende und so wurden wir schneller als uns lieb war mit unserer Arbeit fertig. Wir blieben noch eine kurze Zeit auf dem Dach sitzen und ich erklärte ihm das deutsche Schulsystem (was für mich ein enormer sprachlicher Aufwand war und auf dessen erfolgreiche Erklärung ich bis heute sehr stolz bin). 

Es war mittlerweile so spät geworden, dass ich ohne schlechtes Gewissen sofort nach Hause gehen konnte. Ich verabschiedete mich noch von Ismael und den anderen und ich sagte ihm, dass ich unser Gespräch sehr genossen habe, was er seinerseits bestätigte.

Ich muss abschließend sagen, dass dies leider der erste und letzte wirklich intensive Kontakt mit Ismael war. Ich sah ihn zwar noch einige Male und hatte auch die Gelegenheit einige Worte mit ihm zu wechseln, aber ich hatte das Gefühl, das „der Moment“ einfach weg war. Umso lieber erinnere ich mich noch heute mit großer Freude an diese drei unvergesslichen Stunden mit meinem brasilianischen Dachdeckerfreund Ismael Filho.  

Glücksgefühle auf der Ladefläche

von Niklas Schröder

Als das Kommando kam, „Alle auf die Ladeflächen!“ kam Freude auf. Es warteten auf uns vier Pick-up`s. Ziel an diesem Abend war eine Aussichtsplattform in den Bergen, doch das war eigentlich egal. Erst einmal auf den Ladeflächen und in Fahrt, hoffte ich schlicht, die Fahrt würde nie enden. Den Fahrtwind in den Gesichtern war uns, Deutschen wie Brasilianern, ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben, es löste einfach Glücksgefühle aus.

Pedro II nun hinter uns gelassen, und auf den roterdigen Wegen große Staubwolken hinter uns herziehend nahm unser Jeep weiter Fahrt auf. Wir passierten nun etliche Dörfer mit winkenden Kindern, vor ihren Häusern sitzenden Menschen und gemütlichen, etwas ignoranten Tieren auf der Straße. 

Nachdem selbst die kleinen Dörfer nun vereinzelter und schließlich gar nicht mehr an uns vorbeizogen, wurde auch der Anstieg der Straße steiler und diese zunehmend holpriger. Gekonnt steuerte unser Fahrer den Truck trotz der nun vermehrt aufheulenden Maschine den schmaler werdenden Weg höher und höher.

Was sich ebenso steigerte, war der wunderbare Blick, der sich hinter uns bot. Mit Palmen und dem satten Grün Brasiliens überzogene umliegende Hügel und Berge und das besondere Licht erzeugten eine imponierende abendliche Stimmung.

Nach einer nun doch lang andauernden Fahrt, die mir aber wie im Fluge zu vergehen schien, erreichten wir schließlich das angestrebte Plateau. Einer der anderen Jeeps war bereits vor uns angekommen und einige unserer Freunde liefen uns aufgeregt und ungläubig entgegen. 

Zusammen liefen wir in Richtung der Kante der Plattform und bestaunten sprachlos ein atemberaubendes Panorama. Der Blick war endlos weit, trotz nicht einmal unbedingt perfekter Sicht. 

Mit der untergehenden Sonne aßen wir alle zusammensitzend auf dem Plateau zu Abend. Mit einem Teller voll leckerer Dinge setzte ich mich auf die Mauer an der Kante. Während ich dort verweilte, die imposante Weite und unbeschreibliche Stimmung in mich einsog, wurde es dunkel und die schon während der Fahrt bedrohlich über uns stehenden, für Brasilien typischen, allabendlichen Regenwolken entleerten sich mit all ihrer Kraft. 

Einige Zeit später machten wir es uns alle wieder auf den Ladeflächen bequem und traten die Rückfahrt an. Klatschnass vom Regen, löste der Fahrtwind diesmal keinen Ausstoß von Endorphinen bei mir aus, stattdessen fror ich wie schon lange nicht mehr. Umso dankbarer war ich für Sabine von Klahrs Körpergröße und die Tatsache, dass sie mir ihren Pullover lieh, aber vor allem für dieses unvergessliche Erlebnis.

Dankbarkeit

von Sabine Sevenich

Es beginnt gerade dunkel zu werden. Die Straßen sind noch nicht verlassen, alte Menschen und ebenso die Jungen stehen oder sitzen noch vor ihren Häusern und sie werden auch noch lange dort sitzen, bis spät in die Nacht. Ich gehe gerade zurück zu unserem Haus. Ich bin allein unterwegs, obwohl ich weiß, dass ich das nicht darf.

Plötzlich kommt aus einem der Lehmhäuser eine Frau. Sie ist fast zahnlos und sieht schon sehr alt aus. Sie läuft direkt auf mich zu, ich versuche noch auszuweichen, doch ich bin nicht schnell genug und finde mich zu meiner großen Überraschung in ihren Armen wieder. 

Sie redet auf mich ein und obwohl ich nur zwei, drei Wörter verstehe, weiß ich, dass sie sich bei mir bedankt: Dafür, dass wir nach Porto gekommen sind, dafür dass wir sie nicht vergessen haben, dafür dass wir versuchen zu helfen. Sie drückt mich noch mal fest an ihre Brust, dann dreht sie sich um und verschwindet in ihrer kleinen Lehmhütte. 

Ich stehe noch auf der Straße, völlig überwältigt von der Dankbarkeit, die ich nach meinem Empfinden nicht verdient habe. Schließlich setzte ich mich wieder in Bewegung, doch in meinen Gedanken bin ich immer noch bei der Frau.

Ein Blick zurück

von Larissa Holzki

Es ist dunkel und still geworden. In unserer vorletzten Nacht in Brasilien sind viele Mitschüler früh ins Bett gegangen, um das Fest zur Einweihung des Jugendhauses und unsere Abschiedsnacht morgen richtig genießen zu können.

Ich sitze noch mit einigen deutschen und brasilianischen Jugendlichen auf der Veranda. Niemand sagt etwas, doch wir wissen, dass jeder von uns die gemeinsame Zeit Revue passieren lässt. Wir haben so unglaublich viel erlebt. 

Tagelang haben wir versucht, die Gedanken an den nahenden Abschied zu verdrängen. Nun steht er doch unweigerlich bevor.

Plötzlich springt John aus der Hängematte, eilt hinüber zu Sören und drückt ihn ganz fest an sich. Ich verstehe nicht. Da sieht Sören mich an. Durch die Dunkelheit sehe ich Tränen in seinen Augen glänzen. Alle sind berührt und ergriffen von diesem Augenblick. Niemand wagt zu atmen, als könnten wir so die Zeit anhalten. Marcelo, Lisa, John – nach und nach beginnen alle zu weinen. Wie eine Erlösung überkommt es die Gruppe. Niemand braucht zu sagen, was er fühlt.

Die meisten unter uns kannten sich vor vier Wochen noch gar nicht. Wir waren Jugendliche, die auf verschiedenen Erdteilen lebten, nichts voneinander wussten und denen ihr eigenes beschauliches Leben genügte. Die letzten vier Wochen haben uns verändert. Es ist unvorstellbar, dass einige von denen, die nun tröstend die Arme umeinander legen, sich anfangs kaum trauten den direkten Kontakt zueinander zu suchen. Da gab es Mitschüler, die Angst hatten, nicht mit der Armut klarzukommen und Brasilianer, die befürchteten, wir würden ihnen mit Hochmut oder sogar mit rassistischen Gedanken begegnen.

Diese spannende Zeit, die für uns alle so vollkommen neue, aufregende Eindrücke und Erfahrungen mit sich brachte, hat uns zusammengeschweißt. 

Sie hat uns die Augen geöffnet - für uns selbst, für Andere, für die Welt und ihre Vielfalt. Sie zeigt uns, dass nicht alles, was anders ist, falsch sein muss und dass ein Vorurteil kein guter Begleiter ist. Seite an Seite haben wir diese Erkenntnisse gemacht und dabei tiefe Freundschaften geschlossen, die keine Sprachbarriere verhindern konnte. Wirkliche Freunde brauchen eben keine Worte, um sich zu verstehen.

Auf einmal schaut John mich verständnislos an. Erst jetzt merke ich, dass ich inmitten meiner weinenden Freunde sitze und über das ganze Gesicht strahle. 

 

Fotos: Kristina Lange (4), Larissa Holzki (15), Rea-Helena Fremerey (1), Sarah Frank (7), Sophie Lent (1), Tim Chaunière (3)