Unsere Partner in Porto

Sie träumen und visionieren genau so gerne wie wir: unsere Freunde aus Porto/Piauí. Rund 80 Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie drei erwachsene Koordinatoren gestalten die Projektarbeit in Brasilien.

Offizieller Partner von Brasil09 ist die Kolpinggemeinde Porto. Die Mitglieder dieser Gruppe unterstützen sich gegenseitig und andere nach dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Die Jugendlichen, die an unserem Projekt teilnehmen, müssen nicht Mitglied in der Kolpingfamilie sein. Sie werden aber von dessen Mitgliedern ausgewählt. Dabei wird berücksichtigt, wie viel die Familien der Jugendlichen verdienen, ob sie regelmäßig zur Schule gehen und wie sie sich für andere engagieren. 

Die Armut sieht man vielen Jugendlichen in Porto nicht an. Sie haben genug zu essen, saubere Kleidung und sehen gepflegt aus. Es scheint, als würden sie von morgens bis abends lachen. Wenn wir sie zu Hause besuchen, sehen wir oft einfache, unverputzte Häuser mit drei oder vier Räumen und Lehmboden. Die meisten unserer Freunde haben viele Geschwister, mit denen sie sich ein Zimmer teilen. Doch fragt man die Jugendlichen nach ihren Problemen, sind es selten materielle Dinge, die ihnen einfallen.

Die größte Sorge der Jugendlichen in Porto sind ihre Berufschancen. Das Niveau an den staatlichen Schulen ist in vielen Fächern niedrig. Die Lehrer haben keine fundierte Ausbildung erfahren. Zudem können viele Eltern nicht gut genug lesen und schreiben, um ihren Kindern zu helfen. Wenn in der Regenzeit in den Abendstunden der Strom ausfällt, ist für die älteren Schüler kein Unterricht. Denn die Schüler werden in drei Schichten unterrichtet. Das sind nur einige Beispiele, die den Unterricht erschweren. Doch vielen Jugendlichen fehlt auch der Anreiz, überhaupt zu lernen. Wer den Sprung an die Universität nicht schafft, und das können nur die wenigsten, kann in Porto zum Beispiel Verkäufer, Bauarbeiter, Fischer oder Reisbauer werden. Berufe, die viele Jugendliche nicht als attraktiv ansehen: harte Arbeit, geringes Einkommen, schlechtes Image. 

Besonders schwer haben es Mädchen, die bereits mit 15, 16 oder 17 Jahren Mutter werden. Das ist in Porto keine Seltenheit. Die Mädchen brechen die Schule ab, kümmern sich um ihr Kind und werden oft von den Vätern sitzen gelassen. Es gibt zahlreiche Mütter in Porto, die ihre Familie allein durchbringen müssen, und Kinder, die nicht wissen, wer ihr Vater ist. In anderen Familien ist häusliche Gewalt alltäglich. Größere Geschwister müssen mit Hilfstätigkeiten zum Familieneinkommen beitragen. Drogen- und Alkoholprobleme sind keine Seltenheit.

Der Nordosten Brasiliens

Brasilien ist das Land der Gegensätze und Superlative. Die Wirtschaft im hochentwickelten Süden boomt und lässt die Nation zur globalen Wirtschaftsmacht aufstreben, der Norden und Nordosten ist hingegen bis heute auf dem Stand eines Entwicklungslandes. Das Kapital ausländischer Investoren erreicht die dort lebende Bevölkerung nicht, denn es gibt nur wenig Infrastruktur. Durch den ganzen Nordosten Brasiliens führen keine Eisenbahngleise, wichtige Häfen und Flughäfen befinden sich vor allem im Süden Brasiliens. Touristen reisen höchstens in die Küstenstädte des Nordens. Das trockene Landesinnere zieht weder Unternehmer noch Ausländer an. 

Die starken regionalen Unterschiede erschweren den Entwicklungsprozess im Nordosten, denn viele junge Brasilianer ziehen Jahr für Jahr auf der Suche nach Arbeit in die Metropolen des Landes. Wenn ein Schüler die Anforderungen einer Universität tatsächlich erfüllt und eine Aufnahmeprüfung besteht, muss er noch das Geld für die Unterkunft in einer Großstadt aufbringen oder dort bei Verwandten unterkommen. Nach einem abgeschlossenen Studium bestehen schließlich wenig Anreize, in das Heimatdorf zurückzukehren.

Etwa 30% der Brasilianer leben im Nordosten, welcher etwa ein Fünftel der Landesfläche ausmacht. Mehr als die Hälfte der ärmsten Einwohner Brasiliens bewohnen diese Region abseits der pulsierenden Metropolen. Der Nordosten ist geprägt von den Folgen der Sklaverei, die dort in den Zuckerrohrplantagen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wurde. Lange Dürreperioden von bis zu elf Monaten erschweren die Landwirtschaft. Grün ist das Land nur während der Regenzeit im März.

Die Stadt Porto

Porto ist eine Kleinstadt mit rund 11.000 Einwohnern. Sie liegt im Westen des Bundesstaates Piauí, direkt am Rio Parnaíba, der eine natürliche Grenze zum Bundesstaat Maranhão bildet. Den Fluss kann man in Porto nur mit einer kleinen Fähre überqueren, auf der lediglich Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer transportiert werden können. Daher gibt es kaum Durchgangsverkehr und Reisende in der Stadt.